Jakob Ole Lenz

Politikwissenschaftler



Zum Nachschauen: Mein Vortrag bei der 14. wissenschaftlichen Tagung der Peter-Hacks-Gesellschaft am 13. November 2021 in Berlin.




Saul Ascher und der preußische Staat

Mikrofiche der ersten Seite des Artikels von 1809


Dank einer falschen Fußnote in Otto Tschirchs Chronik Geschichte der öffentlichen Meinung in Preußen vom Baseler Frieden bis zum Zusammenbruch des Staates (1795-1806) von 1934 konnte ich im Februar 2022 einen bisher unbekannten Artikel von Saul Ascher finden, den dieser 1809 in der preußisch-patriotischen Zeitschrift Das Vaterland von Friedrich Wilhelm Gubitz veröffentlichte.

Die Apologie des preußischen Staats oder einige Grenzen für die Kritik desselben schließt an seine bekanntere Schrift Napoleon oder Über den Fortschritt der Regierung von 1808 an und zeigt mit seiner affirmativ-patriotischen Note auf, dass Ascher zwar Bonapartist war, er aber auch im Einklang mit seiner naturrechtlich-zyklischen Revolutionstheorie das preußische System des 18. Jahrhunderts, vor allem unter Friedrich dem Großen, als vollkommen betrachtete. Eine Einordnung Aschers in den Kontext des deutschen Jakobinismus, wie sie noch in den 1980ern vom für die Ascher-Forschung wegweisenden israelischen Historiker Walter Grab vorgenommen wurde, erscheint auch durch diesen Text mehr als fraglich.

Ein Artikel zur Eruierung und Kontextualisierung durch mich steht vor dem Lektorat und ist u. a. für das diesjährige Doktorand:innen-Jahrbuch der Rosa-Luxemburg-Stiftung geplant.



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Gegen den Erz-Germanomanen


Für die Wochenendausgabe des ND durfte ich Mitte Januar ein doppelseitiges Essay zur Relation von Saul Ascher und Johann Gottlieb Fichte schreiben.

Der Artikel findet sich hier. Jürgen Stahl, Mitglied der internationalen Fichte-Gesellschaft, hat im Blättchen eine durchaus lesenswerte Replik geschrieben, die zeigt, wie Fichte auch anders gelesen werden kann - und beispielsweise in der DDR auch wurde. Entgegen der leisen Unterstellung sei allerdings gesagt, dass ich mit der Umbenennung Berliner Straßen absolut nichts am Hut habe und dafür gerne auf die Gedanken zur postheroischen Gesellschaft von Harald Bluhm verweise.